Großstadtregionen in Europa#
Internationale Fallbeispiele stadtregionaler Zusammenarbeit
Die Frage, wie die stadtregionale Kooperation in Sachen Raumentwicklung organisiert werden kann, stellt sich in funktionalen (Groß-)Stadtregionen weltweit. Es geht dabei darum, dass viele Herausforderungen nicht im Alleingang einzelner Kommunen bewältigt werden können, sondern nur auf stadtregionaler Ebene.
Die Kooperationsmodelle variieren je nach Raumstruktur, administrativen Strukturen, politischen Rahmenbedingungen und Aufgabenstellung. Die Form der Governance ist dem spezifischen Kontext angepasst. Dennoch können Stadtregionen vergleichbarer Dimension voneinander lernen – auch was das Management und die Organisation der Zusammenarbeit der Gebietskörperschaften in der Stadtregion betrifft.
Die Publikation Die Stadtregion (Axel Priebs, 2019, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart) zeigt detailliert Modelle stadtregionaler Kooperation auf und gibt Einblick in ihre gelebte Governance. Im Rahmen des SUM wurden die wesentlichen Inhalte auch für die Vergleichbarkeit mit der Situation in Wien-Niederösterreich zusammengefasst: Governance in Stadtregionen im Überblick (Elisabeth Arnold, 2020).
Der Austausch mit anderen europäischen Stadtregionen hat im SUM hohe Priorität. So wurden in den vergangenen Jahren internationale Exkursionen organisiert, es wurde an entsprechenden EU-Projekten mitgewirkt und an Fachveranstaltungen aktiv teilgenommen. Auch im Rahmen der Strategie Naherholung wurden passende internationale Beispiele für Koordination und Umsetzungen von regionalen Naherholungsangebote analysiert.
Kooperationsmodelle im Überblick
- Zielsetzung und Art der zu bewältigenden Aufgaben
Es macht einen Unterschied, ob es darum geht, stadtregionale Dienstleistungen zu erbringen (z.B. den Betrieb des Öffentlichen Personennahverkehrs), die räumliche Entwicklung gemeinsam strategisch auszurichten und gemeinsam Regionalplanung zu betreiben, die Stadtregion als Wirtschaftsstandort zu stärken oder anderes.
- räumlichen Gegebenheiten, territorialen Strukturen und Intensität der funktionalen Verflechtung:
Die geografische Lage, die Raumstruktur (Kernstadt mit kleineren Umlandgemeinden, polyzentrische Struktur) und historisch bedingte Grenzziehungen haben Einfluss auf die Eignung eines Modells der Zusammenarbeit.
- rechtlichem und politischem Rahmen und Verfügbarkeit von Ressourcen:
Insbesondere Verfassungsbestimmungen und Kompetenzverteilungen (föderal, zentralistisch, …), aber auch politische Traditionen, historische Entwicklungen und die personellen und finanziellen Ressourcen beeinflussen die Art, in der stadtregionale Kooperation gelebt werden kann.
Organisation und Management stadtregionaler Kooperation können verschiedene Formen annehmen:
- niederschwellige, themenzentrierte Zusammenschlüsse auf informeller Ebene wie Runde Tische, Regionalkonferenzen
Stadt-Umland-Management Wien/Niederösterreich
- privatrechtliche Konstruktionen wie Gesellschaften mit beschränkter Haftung oder Vereine
KNF Kommunales Nachbarschaftsforum Berlin-Brandenburg, Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen e.V., Region Köln/Bonn e.V., RZU | Planungsdachverband Region Zürich und Umgebung
- öffentlich-rechtliche Verbände
Verband Region Stuttgart, Regionalverband Ruhr RVR, Regionalplanungsverbände in Deutschland
- Zusammenschluss von Gemeinden zu einer übergemeindlichen Gebietskörperschaft (in Deutschland: Regionalkreise) oder Zusammenschluss von Landesbehörden
Region Hannover, Städteregion Aachen, Region Stockholm
Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg
- großräumige Verantwortungsgemeinschaften mit jeweils spezifischer Konstruktion wie Metropolregionen in Deutschland oder Metropolitanräume in der Schweiz
Verein Metropolitanraum Zürich, Metropoolregio Amsterdam, Métropole du Grand Paris, Àrea Metropolitana de Barcelona
(Stand 2020)